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Standard und Geschichte

F.C.I. STANDARD N° 102 / 06. 12. 2004/ D

Download FCI - Standard Nr. 102 - Kleiner Münsterländer

Verwendung: Vielseitig einsetzbarer Jagdgebrauchshund.

Klassifikation F.C.I. :

  • Gruppe: 7 Vorstehhunde
  • Sektion: 1.2 Kontinentale Vorstehhunde
  • Typ: Langhaarig (Epagneul)
  • Mit Arbeitsprüfung


Allgemeines Erscheinungsbild:
Mittelgroßer, kräftiger und harmonischer Körperbau, der bei viel Adel und Eleganz ausgeglichene Proportionen hat. Edler Kopf. Bei aufrechter Haltung zeigt er fließende Körperlinien mit flach getragener Rute. Seine Vorderläufe sind gut befedert, die Hinterläufe behost und die Rute zeigt eine ausgeprägte Fahne. Sein glänzendes Haar sollte glatt bis leicht gewellt dicht und nicht zu lang sein. Seine Bewegungen sind harmonisch und raumgreifend.

Wichtige Proportionen:
Die Körperlänge gemessen von der Brustbeinspitze bis zu den Sitzbeinhöckern soll die Widerristhöhe um höchstens 5 cm übertreffen.
Die Länge des Schädels vom Hinterhauptstachel bis zum Stop entspricht der des Fanges vom Stop bis zum Nasenschwamm.

Verhalten, Charakter (Wesen):
Der Kleine Münsterländer ist intelligent und lernfähig, temperamentvoll und ausgeglichen, mit stabilem Wesen; mit aufmerksamer, freundlicher Grundhaltung gegenüber Menschen (familientauglich), guter sozialer Bindung und Orientierungsfähigkeit am Führer (teamfähig), mit passioniertem, ausdauerndem Beutetrieb, vielseitigen Jagdanlagen sowie guter Nervenstärke und Wildschärfe.

  • Kopf: Kopf und Ausdruck prägen den Typ
  • Oberkopf: edel, trocken, flach bis leicht gewölbt,
  • Stop: gering ausgeprägt allerdings deutlich erkennbar

   
Gesichtsschädel

  • Nase: Nasenschwamm einfarbig braun
  • Fang: kräftig, lang, gerader Nasenrücken;
  • Lefzen: Kurze, gut aufeinander liegend, gut pigmentiert - einfarbig braun.
  • Kiefer / Gebiss: Grosse weiße Zähne. Kräftige Kiefer mit einem regelmäßigen und vollständigen Scherengebiss, wobei die obere Schneidezahnreihe ohne Zwischenraum über die untere greift und die Zähne senkrecht im Kiefer stehen. Mit 42 Zähnen gemäß der Zahnformel Eine Über- oder Unterzahl von 2 x P1 ist zulässig.
  • Backen: Kräftig, gut bemuskelt.
  • Augen: Von mittlerer Größe, weder hervortretend noch tiefliegend. möglichst dunkelbraun. Augenlider fest am Augapfel anliegend und die Bindehaut bedeckend;
  • Behang: Breit, hoch angesetzt, fest anliegend, nach unten spitz zulaufend nicht über Lefzenwinkel hinausragend..
  • Hals: Länge in Harmonie zum Gesamtbild, zum Rumpf hin allmählich breiter werdend. Nacken sehr muskulös und leicht gewölbt. Straff anliegende Kehlhaut


Körper

  • Obere Profillinie: Gerade und leicht abfallend.
  • Widerrist: Ausgeprägt.
  • Rücken: Fest, gut bemuskelt. Die Dornfortsätze sollen durch Muskulatur verdeckt sein.
  • Lenden: Kurz, breit, muskulös.
  • Kruppe: Lang und breit, nicht kurz abgeschlagen und zur Rute hin nur leicht abfallend gut bemuskelt. Breites Becken.
  • Brust: Mehr tief als breit, möglichst weit nach hinten reichendes Brustbein. Rippen gut gewölbt.


Untere Profillinie

  • Bauch: In einem elegant geschwungenen, leichten Bogen nach hinten verlaufend, trocken.
  • Rute: Hoch angesetzt mit langer Fahne, im Ansatz kräftig, sodann sich verjüngend, mittellang. In der Ruhe gesenkt, in der Bewegung waagrecht und nicht zu hoch über der Rückenlinie sowie leicht geschwungen getragen, im letzten Drittel darf sie leicht nach oben gekrümmt sein.
     

Gliedmaßen

Vorderhand:

  • Allgemeines: Von vorne betrachtet gerade und möglichst parallel, von der Seite betrachtet gut unter dem Körper stehende Läufe. Der Abstand vom Boden bis zu den Ellenbogen sollte etwa gleich dem von den Ellenbogen bis zum Widerrist sein.
  • Schultern: Gut anliegendes Schulterblatt, kräftig bemuskelt. Schulterblatt und Oberarm bilden einen guten Winkel von in etwa 90°
  • Oberarm: Möglichst lang, gut bemuskelt.
  • Ellenbogen: Am Körper anliegend, weder einwärts noch auswärts drehend. Ober- und Unterarm bilden einen guten Winkel.
  • Unterarm: Kräftige Knochen senkrecht stehend.
  • Vorderfußwurzelgelenk: Kräftig.
  • Vordermittelfuß:gering nach vorne gerichtet.
  • Vorderpfoten: Rund und gewölbt mit eng aneinander liegenden Zehen und genügend dicken, derben, widerstandsfähigen Ballen, keine zu üppige Behaarung. Sie fußen parallel, im Stand und in der Bewegung weder einwärts noch auswärts gerichtet.


Hinterhand:

  • Allgemeines: Von hinten betrachtet gerade und parallel. Korrekte Winkelungen in Knie- und Sprunggelenken. Kräftige Knochen
  • Oberschenkel: Lang, breit und muskulös, Becken und Oberschenkel. bilden einen gute Winkel
  • Knie: Kräftig, Ober- und Unterschenkel bilden einen guten Winkel.
  • Unterschenkel: Lang, muskulös und sehnig.
  • Sprunggelenk: Kräftig.
  • Hintermittelfuß: Kurz, senkrecht stehend.
  • Hinterpfoten: Rund und gewölbt mit eng aneinander liegenden Zehen und genügend dicken, derben, widerstandsfähigen Ballen; keine zu üppige Behaarung. Sie fußen parallel im Stand und in der Bewegung, weder einwärts noch auswärts gerichtet.
  • Gangwerk: Raumgreifend, mit viel Schub und entsprechendem Vortritt, in Vorder- und Hinterhand gerade und parallel; dabei gut aufgerichtete Haltung. Pabgang ist unerwünscht.
  • Haut:
    straff anliegend, ohne Faltenbildung.
  • Haar:
    dicht, mittellang, glatt bis wenig gewellt, fest anliegend, wasserabweisend. Die Umrisse des Körpers dürfen durch zu langes Haarkleid nicht verdeckt werden. Es soll durch die Dichte möglichst guten Schutz gegen Witterungs- und Geländeeinflüsse und Verletzungen bieten. Kurzhaariger glatter Behang ist fehlerhaft. Vorderläufe befedert, Hinterläufe bis zum Fersengelenk behost, Rute mit langer Fahne und weißer Spitze, üppige Brusthaare unerwünscht
  • Haarfarbe:
    braun-weiß und braun-schimmel mit braunen Platten, -Mantel, -Tupfen, Blesse ist zulässig; lohfarbene Abzeichen an Fang, Auge und um das Waidloch sind gestattet (Jungklaus´sche Abzeichen).

Größe:

  •  Widerristhöhe Rüden: 54 cm
  • Widerristhöhe Hündinnen: 52 cm
  • Mit zulässiger Größenabweichung von plus/minus 2 cm
     

Fehler:
Jede Abweichung von den vorgenannten Punkten muss als Fehler angesehen werden, dessen Bewertung in genauem Verhältnis zum Grad der Abweichung stehen sollte.

Schwere Fehler ( bedeutende Standardabweichungen):

  • Schwerfälliger, grobknochiger Körperbau.
  • Erhebliche Abweichungen vom Verhältnis Rumpf – Hals – Widerristhöhe
  • Mehr als 50 % der Nase fleischfarben oder gefleckt
  • Spitzer Fang. Durchgebogener (konkaver) Nasenrücken.
  • Zu helle Augen. Hellgelbe Habichtsaugen.
  • Erheblich fehlende Brusttiefe oder zu flacher oder tonnenförmiger Brustkorb.
  • Stark auswärts oder stark einwärts gedrehte Ellenbogengelenke.
  • Steil stehender Vordermittelfuß.
  • Stark kuhhessig oder stark fassbeinig, sowohl im Stand wie auch in der Bewegung.
  • Gespreizte Zehen bzw. offene Pfoten, flache Pfoten- (durchgetreten).
  • Schwerfälliges Gangwerk.
  • Glatter Behang ohne Behaarung, zu lange und gelockte Haarfransen an den Behängen.
  • Zu stark gelocktes Haar.
  • Größenabweichung mehr als +/- 2 cm und nicht mehr als +/-4 cm

Ausschließende Fehler:

  • Ängstlichkeit, Aggressivität, Wild- und/oder Schussscheue.
  • Grobe Abweichungen vom Geschlechtstyp, Geschlechtsmissbildungen.
  • Völlig depigmentierter Nasenschwamm
  • Alle Abweichungen vom korrektem Scherengebiss außer Über- oder Unterzahl von 2 x P1
  • Kiefer- und Lefzenspalt.
  • Vogelauge
  • Ektropium, Entropium, Distichiasis, (doppelte Wimpernreihe).
  • Starke Kehlwamme
  • Deutlicher Karpfenrücken..
  • Starker Senkrücken. Verkrümmung der Wirbelsäule;
  • Deformierter Brustkorb, z.B. « abgesetzte Brust ».
  • Knickrute, Ringelrute sonstige Rutenfehler, z.B. zu kurze oder zu lange Rute
  • Einfarbigkeit
  • Größenabweichung mehr als +/- 4cm

  • Hunde, die deutlich physische Abnormalitäten oder Verhaltensstörungen aufweisen, müssen disqualifiziert werden.
  • N.B.: Rüden müssen zwei offensichtlich normal entwickelte Hoden aufweisen, die sich vollständig im Hodensack befinden.
     

Geschichte der Kleinen Münsterländer

„Im Schilfwasser heute und morgen im Feld,
im Walde verwiesen oder verbellt,
Raubzeug gewürgt, das Verlorene gebracht,
das ist es, was den Gebrauchshund macht!“

Mit diesem Spruch leitete Edmund Löns 1922 sein Buch
„Heidewachtel, Kleiner Münsterländer Vorstehhund oder Spion“ ein.

Die Entwicklung des Kleinen Münsterländers Vorstehhundes ist im Bereich des 19. Jahrhunderts anzusiedeln. Berichtet wird, dass um das Jahr 1870 im Münsterland langhaarige Wachtelhunde bekannt waren, die fest vorstanden, enorme Spursicherheit zeigten und gut apportierten.

1906 veröffentlichte der bekannte Heidedichter Hermann Löns in der Zeitschrift „Unser Jagdhund“ einen Aufruf, ihm Reste der Hannoverschen Bracke anzuzeigen. Seine Brüder Edmund und Rudolf Löns fanden auf den niedersächsischen Bauernhöfen jedoch einen vorstehenden Wachtelhund, den sie „Heidewachtel“ nannten. Unermüdlich suchten sie eine leidliche Zuchtbasis zusammen. Die planmäßige Zucht begann bei den Kleinen Münsterländern mit der Zusammenführung von zwei im 19. Jahrhundert existierenden Zuchtstämmen: dem zierlicheren Heitmann’schen Stamm aus Burgsteinfurt und dem kräftigeren Dorstener Stamm des Jagdaufsehers Wolberg aus Hervest-Dorsten. Das Blut, welches noch heute die Rasse prägt, baut auf zwei Zuchtpaarungen auf, nämlich auf den Geschwisterpaaren „Boncoeur“ und „Hertha von Lohburg“ (Heitmann-Stamm) sowie auf „Rino-Hervest“ und Mirza I-Hervest (Dorstener Stamm). Aus diesen vier Hunden wurde die Kleine Münsterländer-Rasse. In Deutschland stehen heute etwa 6500 Hunde, weltweit ca. 13.000.

Edmund Löns, 1880-1964

Edmund Löns, 1880 - 1964

Neben den Gebrüdern Löns bemühten sich in Westfalen Freiherr von Bevervörde-Lohburg, Kaufmann Rühl-Burgsteinfurt und Anton Bartscher-Osnabrück um eine leidliche Zuchtbasis der Reste der westfälischen Wachtelhunde. Allerdings gelang dieses Ziel erst aus der Familienzucht des Hauptlehrers Heitmann (Heitmann-Stamm) aus Burgsteinfurt. Erst 1911 erfährt Löns von einer weiteren Zuchtfamilie, der sogenannte „Dorstener-Schlag“, der in der Gegend von Velen, Reeken, und Coesfeld gezüchtet wurde.

Bei der Frage, woher nun diese kleinen tüchtigen Jagdhunde kamen, schieden sich die Geister der Wiederentdecker. Alteingesessne nannten diese Hunde Spione oder Spannjer, gelegentlich auch Magisterhündchen, da besonders Pfarrer und Lehrer Liebhaber dieser Hunde waren.

Dr. med. et. phil. Friedrich Jungklaus, 1875-1953

 Dr. med. et phil. Friedrich Jungklaus, 1875 - 1953

Edmund Löns und Dr. med. et phil. Friedrich Jungklaus sprachen jedoch von einer bodenständigen jahrhundertealten Einheitsrasse Nordwestdeutschlands und der Niederlande. DDr. Friedrich Jungklaus publizierte 1921 ein wissenschaftliches Werk über den Kleinen Münsterländer und dessen Rassemerkmale. Diese Ausfertigungen haben auch heute noch in ihren Grundzügen Gültigkeit.